EN 50173 Glasfaser-Norm: Was Planer und Errichter wissen müssen
EN 50173 Glasfaser-Norm: Was Planer und Errichter wissen müssen
Die EN 50173 definiert als europäische Glasfaser Norm die strukturierte Verkabelung in Europa und stellt die zentrale Verkabelungsnorm DACH für alle Glasfaserinstallationen dar. Diese Norm legt verbindliche Anforderungen für Übertragungsklassen, Dämpfungswerte und Streckenbudgets fest, die Planer und Errichter bei der Konzeption und Installation von Glasfasernetzen zwingend einhalten müssen. Für die praktische Umsetzung bedeutet dies konkret: maximale Kanaldämpfung von 1,5 dB für Multimode-Strecken bis 300 Meter und 2,0 dB für Singlemode bis 2000 Meter im Tertiärbereich.
Grundlegende Anforderungen der EN 50173 für Glasfaserverkabelung
Die EN 50173 gliedert sich in mehrere Teilnormen, die spezifische Anwendungsbereiche abdecken. Die EN 50173-1 definiert die allgemeinen Anforderungen, während die EN 50173-2 sich auf Bürogebäude konzentriert. Für Industrieumgebungen gilt die EN 50173-3, die erhöhte Anforderungen an mechanische Belastbarkeit und Umgebungseinflüsse stellt.
Als Planer müssen Sie bei der Auslegung nach EN 50173 drei wesentliche Hierarchieebenen berücksichtigen. Die Primärverkabelung verbindet Standorte untereinander mit Strecken bis zu 3000 Metern. Die Sekundärverkabelung innerhalb von Gebäuden erlaubt bis zu 500 Meter. Die Tertiärverkabelung vom Etagenverteiler zum Arbeitsplatz ist auf maximal 100 Meter begrenzt.
| Verkabelungsebene | Maximale Streckenlänge | Typische Faserart | Dämpfungsbudget |
|---|---|---|---|
| Primärverkabelung | 3000 m | OS2 Singlemode | 3,5 dB |
| Sekundärverkabelung | 500 m | OM3/OM4/OS2 | 2,5 dB |
| Tertiärverkabelung | 100 m | OM3/OM4 | 1,5 dB |
Übertragungsklassen und Leistungsanforderungen nach EN 50173
Die Norm definiert verschiedene optische Klassen für unterschiedliche Übertragungsgeschwindigkeiten und Wellenlängen. Die Klasse OF-300 unterstützt Gigabit-Ethernet über 300 Meter mit OM3-Fasern. Die Klasse OF-500 ermöglicht 10-Gigabit-Ethernet über 500 Meter mit OM4-Fasern. Für Singlemode-Anwendungen definiert die Klasse OS-2000 Übertragungen bis 2000 Meter.
- OM3-Fasern: 2000 MHz·km bei 850 nm, optimiert für VCSEL-Laser
- OM4-Fasern: 4700 MHz·km bei 850 nm, erweiterte Bandbreite
- OM5-Fasern: Wellenlängenmultiplex-fähig für 850-950 nm
- OS2-Fasern: Singlemode für Langstrecken bis 40 km
Die EN 50173 schreibt für jede Klasse spezifische Grenzwerte vor. Der Kanalverlust setzt sich aus der Faserdämpfung und den Steckverlusten zusammen. Bei einer OM4-Installation über 150 Meter mit vier Steckverbindungen ergibt sich beispielsweise: 0,45 dB Faserdämpfung plus 1,0 dB Steckerverluste gleich 1,45 dB Gesamtdämpfung.
Messanforderungen und Dokumentation gemäß Verkabelungsnorm DACH
Die EN 50173 fordert eine lückenlose Dokumentation aller installierten Strecken. Jede Glasfaserverbindung muss nach IEC 61280-4-2 gemessen und protokolliert werden. Die Messung erfolgt bidirektional bei 850 nm und 1300 nm für Multimode sowie 1310 nm und 1550 nm für Singlemode.
Errichter müssen folgende Messwerte dokumentieren: Streckendämpfung in beiden Richtungen, Reflexionsdämpfung an allen Steckverbindungen und die optische Länge der Strecke. Die Reflexionsdämpfung muss mindestens 35 dB für Multimode und 45 dB für Singlemode betragen.
- OTDR-Messung zur Fehlerortung und Streckencharakterisierung
- Dämpfungsmessung mit Lichtquelle und Leistungsmessgerät
- Mikroskopische Endflächeninspektion nach IEC 61300-3-35
- Polaritätsprüfung bei Mehrfasersteckern wie MPO/MTP
- Dokumentation im digitalen Anlagenkataster
Steckverbinder-Anforderungen in der EN 50173
Die Norm lässt verschiedene Steckverbindertypen zu, definiert aber strenge Qualitätskriterien. LC-Steckverbinder nach IEC 61754-20 dominieren im Tertiärbereich durch ihre kompakte Bauform. SC-Steckverbinder nach IEC 61754-4 finden sich häufig in bestehenden Installationen. Der E2000-Steckverbinder nach IEC 61754-15 bietet mit seiner integrierten Schutzklappe optimalen Schutz vor Verschmutzung.
| Steckertyp | Einfügedämpfung | Rückflussdämpfung PC | Rückflussdämpfung APC |
|---|---|---|---|
| LC | < 0,25 dB | > 45 dB | > 60 dB |
| SC | < 0,30 dB | > 45 dB | > 60 dB |
| E2000 | < 0,20 dB | > 50 dB | > 65 dB |
| MPO/MTP | < 0,35 dB | > 35 dB | > 60 dB |
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Praktische Umsetzung der EN 50173 in Spleißverteilern
Spleißverteiler bilden die zentralen Knotenpunkte in der strukturierten Verkabelung nach EN 50173. Die Norm fordert eine eindeutige Kennzeichnung aller Fasern und Ports sowie ausreichende Biegeradien von mindestens 30 mm für Singlemode und 25 mm für Multimode. Moderne Spleißmodule erfüllen diese Anforderungen durch vorkonfektionierte Kassetten mit integrierten Faserführungen.
Die Packungsdichte spielt bei der Planung eine entscheidende Rolle. Die EN 50173 empfiehlt eine Belegung von maximal 60 Prozent der verfügbaren Verteilerkapazität für zukünftige Erweiterungen. Bei einem 19-Zoll-Verteiler mit 96 Fasern auf 1HE sollten initial nur 60 Fasern belegt werden.
- Spleißreserve von mindestens 1 Meter pro Faser einplanen
- Getrennte Führung von Singlemode und Multimode
- Farbcodierung nach DIN VDE 0888
- Zugentlastung für alle eingehenden Kabel
- Staubschutzklappen für ungenutzte Ports
Brandschutz und Umgebungsanforderungen der Glasfaser Norm Europa
Die EN 50173 verweist auf die Bauproduktenverordnung und fordert die Einhaltung der Euroklasse Dca für Glasfaserkabel in Gebäuden. Kabel müssen nach EN 50575 klassifiziert sein und dürfen im Brandfall nur begrenzt zur Flammenausbreitung beitragen. Die Rauchentwicklung muss der Klasse s2 und das brennende Abtropfen der Klasse d1 entsprechen.
Für unterschiedliche Gebäudebereiche gelten spezifische Anforderungen. In Fluchtwegen sind halogenfrei Kabel der Klasse B2ca vorgeschrieben. Steigbereiche erfordern Klasse Cca. In normalen Bürobereichen genügt Klasse Dca. Die Dokumentation der verwendeten Kabeltypen ist prüfungsrelevant.
Qualitätssicherung und Abnahmekriterien nach EN 50173
Die normkonforme Abnahme einer Glasfaserinstallation erfordert systematische Prüfungen. Jede installierte Strecke muss die definierten Grenzwerte einhalten. Die Gesamtdämpfung darf das berechnete Streckenbudget nicht überschreiten. Die optische Rückflussdämpfung muss die Mindestwerte erfüllen.
- Sichtprüfung aller Steckverbindungen mit 200-facher Vergrößerung
- Dämpfungsmessung mit kalibriertem Messgerät
- OTDR-Referenzmessung für die Bestandsdokumentation
- Prüfung der mechanischen Zugentlastungen
- Kontrolle der Mindestbiegeradien
- Vollständigkeitsprüfung der Kennzeichnung
Das Abnahmeprotokoll muss alle Messergebnisse, die verwendeten Messgeräte mit Kalibrierdatum und die Namen der prüfenden Personen enthalten. Die Garantieleistungen vieler Hersteller setzen eine normkonforme Installation und Dokumentation voraus.
Integration moderner Übertragungstechnologien in die Verkabelungsnorm DACH
Die EN 50173 berücksichtigt aktuelle und zukünftige Übertragungstechnologien. Für 40 und 100 Gigabit Ethernet definiert die Norm spezielle Anforderungen an Mehrfasersteckverbinder. MPO/MTP-Steckverbinder ermöglichen die parallele Übertragung über 12 oder 24 Fasern. Die Polarität muss nach Methode B ausgeführt werden.
Wellenlängenmultiplex-Verfahren erweitern die Übertragungskapazität bestehender Fasern. Die EN 50173 unterstützt CWDM mit 18 Kanälen und DWDM mit bis zu 96 Kanälen. Die spektrale Dämpfung muss für den Bereich 1260 bis 1625 nm spezifiziert sein. OM5-Fasern ermöglichen zusätzlich SWDM im Bereich 850 bis 950 nm.
Besondere Anforderungen für Industrieumgebungen nach EN 50173-3
Industrielle Umgebungen stellen erhöhte Anforderungen an die Glasfaserverkabelung. Die EN 50173-3 definiert vier Umgebungsklassen von M1 (Büroumgebung) bis M4 (schwere Industrie). Temperaturbereich, Vibrationen, elektromagnetische Störungen und chemische Einflüsse bestimmen die Klassifizierung.
| Umgebungsklasse | Temperaturbereich | Schutzart | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| M1 | 0°C bis +50°C | IP20 | Büro, Leitwarte |
| M2 | -25°C bis +70°C | IP54 | Lagerhalle |
| M3 | -40°C bis +85°C | IP65 | Außenbereich |
| M4 | -40°C bis +85°C | IP67 | Prozessumgebung |
Zukunftssicherheit durch normkonforme Planung
Die EN 50173 entwickelt sich kontinuierlich weiter und integriert neue Technologien. Die aktuelle Ausgabe berücksichtigt bereits 400 Gigabit Ethernet und Terabit-Übertragungen. Planer sollten Reserven für zukünftige Bandbreitenanforderungen einkalkulieren. Eine Überdimensionierung von 30 Prozent hat sich in der Praxis bewährt.
Die Wahl hochwertiger Komponenten zahlt sich langfristig aus. Singlemode-Verkabelung bietet praktisch unbegrenzte Bandbreitenreserven. Modulare Verteilersysteme ermöglichen flexible Anpassungen ohne Neuverkabelung. Die initiale Mehrinvestition amortisiert sich durch reduzierte Betriebskosten und längere Nutzungsdauer.
- Verwendung von OS2-Singlemode für alle Strecken über 100 Meter
- Installation von OM5-Multimode für kurze Hochgeschwindigkeitsstrecken
- Vorbereitung für MPO-Breakout-Kassetten
- Berücksichtigung von Mikrokabeln für nachträgliche Erweiterungen
- Dokumentation in digitalem Zwilling für Betriebsführung
Praktische Werkzeuge für die Umsetzung der EN 50173
Verschiedene Softwarelösungen unterstützen Planer bei der normkonformen Auslegung. Berechnungsprogramme ermitteln automatisch Dämpfungsbudgets und prüfen Grenzwerte. CAD-Systeme mit integrierten Normbibliotheken vereinfachen die Dokumentation. Projektmanagement-Werkzeuge helfen bei der Koordination komplexer Installationen.
Die richtige Messtechnik ist entscheidend für die Qualitätssicherung. Moderne OTDR-Geräte bieten automatische Auswertung nach EN 50173. Videomikroskope mit Bildanalyse bewerten Steckflächen objektiv. Cloud-basierte Dokumentationssysteme ermöglichen die zentrale Verwaltung aller Messprotokolle.
Häufige Fragen zur EN 50173 Glasfaser Norm Europa
Welche Faserkategorien sind für 10 Gigabit Ethernet geeignet?
Für 10 Gigabit Ethernet eignen sich OM3-Fasern bis 300 Meter, OM4-Fasern bis 550 Meter und OS2-Singlemode für Strecken bis 10 Kilometer. Die EN 50173 definiert die entsprechenden Übertragungsklassen OF-300, OF-550 und OS-10000.
Wie viele Steckverbindungen sind maximal zulässig?
Die EN 50173 begrenzt nicht die Anzahl, sondern das Gesamtdämpfungsbudget. Bei hochwertigen Steckern mit 0,25 dB Einfügedämpfung sind typisch vier bis sechs Steckverbindungen möglich, ohne die Grenzwerte zu überschreiten.
Welche Messungen sind bei der Abnahme vorgeschrieben?
Zwingend erforderlich sind die bidirektionale Dämpfungsmessung bei den spezifizierten Wellenlängen und die Dokumentation aller Messwerte. OTDR-Messungen sind empfohlen, aber nicht vorgeschrieben. Die Endflächeninspektion wird bei modernen Installationen als Standard betrachtet.
Gilt die EN 50173 auch für Bestandsnetze?
Die Norm gilt primär für Neuinstallationen. Bei Erweiterungen bestehender Netze sollten neue Komponenten die aktuellen Anforderungen erfüllen. Eine vollständige Nachrüstung ist nur bei grundlegenden Modernisierungen erforderlich.
Wie unterscheidet sich die EN 50173 von der ISO/IEC 11801?
Die EN 50173 ist die europäische Umsetzung der internationalen ISO/IEC 11801 mit spezifischen Anpassungen für den europäischen Markt. Zusätzliche Anforderungen betreffen hauptsächlich Brandschutz und Umweltaspekte gemäß europäischer Richtlinien.
Welche Dokumentation muss aufbewahrt werden?
Die komplette Installationsdokumentation mit Netzplänen, Messergebnissen und Komponentenlisten muss über die gesamte Nutzungsdauer verfügbar sein. Digital archivierte Unterlagen sollten in standardisierten Formaten wie PDF/A gespeichert werden.
Die konsequente Anwendung der EN 50173 als zentrale Verkabelungsnorm DACH sichert die Investition in moderne Glasfaserinfrastruktur. Planer und Errichter, die sich an die definierten Standards halten, schaffen zukunftssichere Netze mit garantierter Leistungsfähigkeit. Als Hersteller modularer Glasfaserlösungen unterstützt Fiber Products Sie mit normkonformen Systemen, die alle Anforderungen der EN 50173 erfüllen und durch Schweizer Präzisionsqualität überzeugen.
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